Erste Erwähnung im Lorscher Urkundenbuch im Jahr 765

Auszug aus dem Eintrag der Ersterwähnung von „Basinsheim“ (heute Bensheim) vom 20. April 765. In Zeile 8 in der Mitte ist „in basinsheim“ zu lesen, in Zeile 11 das erste Wort „vineis“, lateinisch für „Weinberge“. (Codex Laureshamensis Urkunde Nr. 232)

Weinbau und Wein sind seit vielen Jahrhunderten fest verwurzelt in der Bergsträßer Natur- und Kulturgeschichte. Der erste Nachweis von Weinbergen an der Bergstraße findet sich in der Ersterwähnungsurkunde von Bensheim im Lorscher Urkundenbuch (Codex Laureshamensis). Am 20. April 765 wird die Schenkung eines umfangreichen landwirtschaftlichen Betriebs an das Kloster Lorsch beurkundet, die Aufzählung der Ländereien beinhaltet neben Feldern, Wiesen und Wälder auch Weinberge. Auf viele weitere Schenkungen folgen ab dem 11. Jahrhundert zahlreiche Erwähnungen von historischen Flurbezeichnungen, aus denen dann die Benennung der unterschiedlichen Weinbergslagen hervorgegangen ist.


Die Erwähnung von historischen Flurnamen im Bed- und Flurbuch Bensheim von 1582 (Stadtarchiv Bensheim 12.J 2a/9r)

In Bensheim sind bereits für das Jahr 1582 in fünf Klassen etliche teilweise noch heute geläufige Flurnamen belegt. Genannt werden beispielsweise Kirchberg, Kalkgasse, Pfaffenstein, Fuhrmann, Heinichen, Hoppberg (Hohberg), Ober Hanberg (Oberer Hahnberg), Jacob, Wolfsmagen, Pauels (Paulus) und Grub sowie Vetzersberg, Schmallert, Öberster Sand, Kredenbecher, Grefenberg, Vockenberg, Rödder, Schwell, Alengaß, Galgenberg und Streychling (Streichling).






Von der “Bergstraße” zur “strata montana”

Die deutsche Bezeichnung „Bergstraße“ taucht erstmals im Jahr 1165 auf. Bereits Jahrhunderte zuvor sind die Namen strata publica (795), platea montium (819) und montana platea (1002) überliefert. Viel jünger allerdings ist die im Humanismus aus der „Bergstraße“ latinisierte Form „strata montana“. Eine Herleitung dieses Namens von den Römern ist genauso wenig belegt wie der Ursprung des rechtsrheinischen Weinbaus aus römischer Zeit.

Historische Karten und Beschreibungen belegen die große Ausdehnung mittelalterlichen Weinbaus, der an der nördlichen Bergstraße bis nach Darmstadt reichte. Auch Flächen in der Ebene waren bestockt, Qualitätsansprüche nach heutigen Maßstäben gab es nicht. Wein war Währung und Entlohnung, eine schlechte Ernte hatte harte wirtschaftliche Folgen.

Die Signaturen zeigen historischen Weinbau südlich der Darmstädter Altstadt, heute der Bereich zwischen Zentrum und Bessungen (Haas’sche Karte 1798)

50 Jahre “Hessische Bergstraße” – Die Geburtsstunde des kleinsten deutschen Weinbaugebiets

Vor genau 50 Jahren trat am 14. Juli 1971 das „Gesetz über Wein, Likörwein, Schaumwein, weinhaltige Getränke und Branntwein aus Wein“ in Kraft (BGBl Teil I, Nr. 63 v. 16. Juli 1971). Erstmals wurde darin in §10 die „Hessische Bergstraße“ als bestimmtes Anbaugebiet festgelegt. Überlegungen einer Zuordnung zum Rheingau scheiterten an dem Engagement der Bergsträßer Winzer, ihr Gebiet und ihre Identität zu behalten. Ein gemeinsames Bergsträßer Gebiet bis ins badische Leimen war wegen der Zugehörigkeit zu verschiedenen Bundesländern damals nicht möglich.

Gab es vor dem 20. Jahrhundert noch hunderte von einzelnen Lagenbezeichnungen an der Bergstraße, sind diese um 1900 zu etwa 40 Einzellagen zusammengefasst worden. Mit dem Weingesetz von 1971 blieben knapp die Hälfte davon übrig.

Aus einer Aufstellung der Bergsträßer Weinbergslagennamen in alter und neuer Zeit